Kleistlaufbericht - Sonntag, 28. Januar 2007
Dagmar, Marion, Steffi,
Gerald, Manne, Martin, Rainer, Reinhard, Uwe
Die Witterungsverhältnisse waren heute etwas schwierig, Tauwetter setzte ein. Auf allgemeinen Wunsch haben wir den Lauf aber dennoch gemacht. Lauftechnisch war es auch kein Problem, lediglich auf dem Rückweg wurde es durch den Grunewald zunehmend matschig und glitschig.
Bis zum Grab waren es exakt 12 Kilometer,
Manne hatte sich über
Wikipedia gut auf den Lauf vorbereitet und teilte sein Wissen gerne mit. Hier ergänzend noch eine ältere Darstellung:
Berdrow 1902 (Seite 67-70) hat geschrieben:
Ein am Bahndamm geradeaus laufender staubiger Sandweg soll uns zu einer Stätte geleiten, die sein deutsches Herz ohne Wehmut und Rührung betrachten kann: zum Grabe Heinrich von Kleists.
Nachdem wir wenige hundert Meter des Weges zurückgelegt, biegen wir rechts ab zum Ufer des Kleinen Wannsees oder Stolper Lochs. Hier liegt auf einer Uferhöhe in stiller Waldeinsamkeit die letzte Ruhestätte des großen märkischen Dichters, dem eine blöde Mitwelt die gerechte Anerkennung, nach der er lechzte, versagte, den die verständnisvollere Nachwelt aber Verdienst zu unseren Größten, zu Lessing, Goethe und Schiller, gestellt hat. Sein Schicksal mündet in schlichten Worten der unter den Geburts- und Todesdaten stehenden Vers:
[center]Er lebte, sang und litt
In trüber, schwerer Zeit;
Er suchte hier den Tod
Und fand Unsterblichkeit.[/center]
Rost zwar frist an dem Gitter und Flechten zermürben den Stein; aber darunter ausruht, läßt noch heute beim Lesen und Schauen seiner Meisterwerke, des süßen "Käthchen von Heilbronn", den "Prinzen von Homburg", der "Hermannsschlacht", des "Zerbrochenen Krugs", und des klassischen "Michael Kohlhaas" tausend Herzen rascher Schlagen, tausend Augen in Perlentropfen der Wehmut und des Entzückens schimmern.
Am 20. November 1811 fuhr Kleist mit Frau Henriette Vogel nach dem Wannsee gelegenen Wirtshaus "Zum Stimming", um diese Freundin auf ihren Wunsch zu erschießen und sich dann selbst zu töten. Er hatte ihr einst das Ehrenwort gegeben, ihr jeden, selbst den schwersten Freundschaftsdienst zu leisten. Sie bat ihn jetzt, sie, die unheilbar Erkrankte und Lebensüberdrüssige, zu töten, setzte aber hinzu: er werde ihrem Wunsch wohl nicht erfüllen, da es keine Männer mehr gäbe. Kleist erwiderte: "Ich werde es thun, ich bin ein Mann, der sein Wort hält."
Am Morgen seines Todes schrieb er in einem Briefe an seine treue Schwester Ulrike: "möge Dir der Himmel einen Tod schenken, nur halb an Freude und unaussprechlicher Heiterkeit dem meinen gleich: das ist der herzlichste und innigste Wunsch, den ich für Dich aufzubringen weiß."
Am Nachmittage des 21. November tötete er sich, nachdem er die Freundin durchs Herz geschossen, durch einen Schuß in den Mund. Am Orte, wo er gefunden wurde, hat man ihn auch begraben.
Hunderte haben nach ihm im Grunewald den Tod gesucht; und doch: welch ein Unterschied zwischen ihm und diesen!....
Die Grabinschrift, von der Berdrow berichtet, befindet sich heute scheinbar nicht mehr dort.
Auf dem Rückweg hat mir
Reinhard übrigens erzählt, dass sein Großvater als Architekt den Bahnhof Wannsee mit erbaut hat
Das Leben ist eben ein Dorf.
Und noch eine Besonderheit gab es heute:
Rainer hat eine neue Laufuhr der neuesten Generation. Neben einem Laufkilometerzähler auch mit Höhenmeter. Ab sofort haben wir also absolut verlässliche Daten und
"Rainer, wieviel....?" wird wohl ab sofort zu einer Standardfrage werden.
23,60 km
[center]
[/center]